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Malerei/Bücher




BÜCHER UND VIDEOS ÜBER MICHAEL VETTER

SHIJIMA NO OTO - Des Schweigens Ton (1980)
(musikalische und theatrale Konzepte aus Texten, Fotografien, Radierungen und Grafiken in japanischer Sprache - Asahi Tokyo)

SEINSERFAHRUNG (1988)
36 Essays, 655 größtenteils farbige Abbildungen
(Fotografien, Tuschmalereien, Aquarelle und Radierungen). Kunstdruck-Papier, Seideneinband, Schutzumschlag, 2o7 S.

TRANSVERBAL (1990)
Texte und 44 ganzseitige, zum Teil farbige Abbildungen. 52 S.

LA VIA DI MICHAEL VETTER (1990)
Ein 6o-Minuten-Video-Film aus der Reihe "I cercatori del infinito" des RTSI von Werner Weick.





Gemälde und Aquarelle 1960-1970

Auffällig an Vetters Gemälden und Aquarellen der 60er Jahre ist ihr deutlicher Zusammenhang zu den dreißig Jahre später entstehenden Tafelbildern. Die Krönung dieser Arbeiten, die in ihrer leuchtenden Mosaik-Struktur den Eindruck abstrakter Kirchenfenster erwecken, ist der ebenso großformatige wie feingliedrige "Pfingstaltar". Zwei Aquarelle dieser Phase befinden sich auf den Seiten 2oo und 201 des Buches "Seinserfahrung".



Linolschnitte 1960-1964

Wie die Gemälde dieser Zeit vermitteln auch die zwischen 196o und 1964 entstandenen und nahezu vollständig erhaltenen Linolschnittzyklen den Eindruck abstrakter Landschaften. Von den etwa 6o Druckstöcken, von denen sich aus den Jahren ihrer Entstehung nur wenige Abzüge erhalten haben, ist in den Jahren 1999-2001 noch einmal eine Auflage von je 15 signierten und betitelten Exemplaren entstanden.



MUSIKALISCHE GRAFIK 1964-1978

FELDER II (1964)
Grafische Notation mit Anleitung zum Improvisieren mit Kindern (Moeck)

REZITATIVE (1967)
für einen Blockflötisten. Grafische Notation mit Anleitung (Moeck)

FIGURATIONEN (1967)
für ein beliebiges Instrument. Grafische Notation mit Anleitung (Moeck)

ORZISMUS - BEGEISTERUNG WIDER CHÖRE (1968)
für einen Solisten, Projektionen und Publikum (Vetter)

NEW INCUSSIONS FOR TWO (1968)
Duo für zwei Solisten verschiedener musikalischer Sprachen. (Vetter)

REAKTIONEN AUF REVOLUTIONÄRE (1968)
Duo für einen Blockflötisten und seinen Verstärker.
Ein musikalisches Gleichnis (Vetter)

DIE WIENER BLOCKFLÖTENSCHULE (1976)
Der Weg, auf experimentelle Weise ein klassisches Instrument zu lernen (Schülerband, Lehrerband, 2x4 Literatur-Hefte mit Duett-Literatur,darunter ca. 12o Kompositionen von Michael Vetter, UE)

STONED BEATMUSIC (1977)
Grafische Notationen für beliebige Instrumente (Vetter)

HÖRSPIELE I-VI (1978)
Sechs Hefte grafische und verbale Materialien zu instrumentaler, vokaler und theatraler Improvisation (UE)




Handbewegungen

In der zweiten Hälfte der 6oer Jahre begann Michael Vetter seine Malerei auf die
Idee des "Schriftstücks" zu konzentrieren, das er zunächst im Kontext der damals
aktuellen "grafischen Notation" der musikalischen Avantgarde sah. Von der Idee,
solche Schriftstücke müßten als Musik aufgeführt werden, löste er sich jedoch bald
zugunsten eines erweiterten Aspektes der "musikalischen Lektüre", dem zufolge die
Bildbetrachtung selbst bereits als lautloses musikalisches Ereignis angesehen werden
soll, ehe dessen akustische Umsetzung eine nicht notwendige, aber doch logische
Konsequenz darstellen kann.

Seine damaligen Veröffentlichungen "Rezitative", "Figurationen" und "Felder" waren ausdrücklich noch als Notation gemeint, nicht anders als die gut zehn Jahre später folgenden "Hör-Spiele". Bei den grafischen Blattfolgen "Linienspiel" sowie den fotografischen Essays aus "Liebesspiele" begleitet diesen Gedanken bereits ein Augenzwinkern. Seine dann folgenden Bücher "Handbewegungen" und "Cosmic Comic" verstehen sich endgültig als musikalischer Lesestoff. Die bereits in den "Handbewegungen" sich realisierende Idee einer breiten grafischen Kommunikation auf der Basis frei spielender manueller Mikromotorik zählt noch heute in seinen Kursen und Happenings zu den zentralen Methoden struktureller Interaktion.


GRAFISCHE MUSIK - FOTOGRAFISCHE MUSIK
1972-1975

HANDBEWEGUNGEN I/II ein transverbaler Roman ohne Worte in zwei Bänden mit einem Vorwort von Helmut Heissenbüttel.
Das Werk erschien 1972 in auf 5oo Exemplare limitierter Ausgabe. Jedes Exemplar wurde vom Autor numeriert, signiert und mit einem je eigenen transverbal-grafischen "Zu-Spruch" versehen. Gebunden, ca.65o S. (Klett-UE)

SCHREIBSPIELE OHNE WORTE
Beispiele grafischer Dialoge für den Kunstunterricht.
Das Werk erschien 1972 in auf 5oo Exemplare limitierter Ausgabe. Jedes Exemplar wurde vom Autorenpaar Michael und Atsuko Vetter numeriert, signiert und mit einem je eigenen grafischen Dialog versehen. ca. 12o S. (Klett-UE)

LIEBESSPIELE - musikalische Konzepte (1969-1972)
Texte und Fotoessays (UE)
Vorwort - Liebes-Spiele - Früh-Stück - WellWellWellen - Übung - Liturgie
STIMMen STIMMEn STIMMEN - Mein Apfel - Stein-Spiel - fort laufendes Fortlaufen - Sun set - Das Lamm - Nacht.

LINIENSPIEL - grafische Musik (1972, UE)
Vorwort - Für Hörer - Wandlung - Schriftbilder - Steinspiel - Linienspiel -
Küsten küßten Küsten - Sonnenuntergang - Bestirnungen.

COSMIC COMIC
Das Märchen von der Linie, die auszog, das Ziehen zu lernen (Kunsthaus-Verlag)
Dieses "Lehr"-Buch ist ein ca. 5o m langes Bild (so jedenfalls präsentierte es sich 1975 im Landesmuseum Münster), darin eine Linie Linie bleibt und sich doch "unterwegs" in alles nur Erdenkliche verwandelt, indem sie ihren Weg dem Auge ihres Malers anvertraut. Die "Lehre", um die es geht, ist die Aufgehobenheit des Gegenständlichen im Ungegenständlichen - eine Einsicht, die nicht nur die Geschichte der bildenden Kunst des 2o. Jahrhunderts, sondern ganz allgemein den sie und alles beflügelnden Geist betrifft.























DAS BUCH DER ZEICHEN
und die Idee der
TREPPENHAUS-GALERIEN

Im Mittelpunkt des malerischen bzw. "schriftlichen" Aspektes der Arbeit von Michael Vetter steht "das Buch der Zeichen", ein seit 1972 in täglichem Exerzitium kapitelweise sich fortsetzender Prozeß abstrakter Kalligrafien, dem es um die unmittelbar polyphone Bedeutung von Bewegungsstrukturen geht.
Ausgehend von der archaischen Idee des Piktogrammes enthält jedes Blatt ein mehr oder weniger komplexes "Zeichen", das zunächst und zuletzt ganz einfach ist, was es ist, um im Jetzt der Betrachtung das tiefenpsychologische Spiel freier Assoziation seiner je spontanen Logik und Poetik zu überlassen.

Die einzelnen Kapitel des "Buches der Zeichen" bestehen jeweils aus ca. 15 bis 15o Einzelblättern. Sie sind signiert, datiert und numeriert, so daß sie immer wieder in die Reihenfolge ihrer Entstehung zurückzufinden vermögen. Das ist insofern wichtig, als zur Idee des "Buches der Zeichen" nicht nur der großangelegte Zeit-Prozeß gehört, sondern auch das freie Spiel mit der Komposition der einzelnen Zeit-Momente, die in je neuem Kontext überraschend Neues zu bedeuten vermögen. So können die einzelnen Blätter eines Kapitels in immer wieder anderen Anordnungen und Zusammenstellungen Flure, Treppenhäuser, Zimmer und Säle von Privathäusern, Firmen, Hotels, Praxen, Krankenhäusern und Verwaltungs-Gebäuden in meditative, die Kreativität ihrer Besucher und Mitarbeiter anregende Galerien verwandeln. Zunächst allerdings präsentieren sich die einzelnen Kapitel aus dem "Buch der Zeichen" nach Art mittelalterlicher "Stundenbücher" den "Lesern" als Unikat-Manuskripte. Jede einzelne Kalligrafie läßt sich aus ihrer "Stundenbuch"-Mappe in die Hand nehmen - das komplexe Innenleben der einzelnen Linie je für sich und in der Kommunikation der Linien miteinander wird zu einer Sache sinnlichen "Begreifens", die Definitionen des "Bildes" und der "Skulptur" erweisen sich als ineinander übergehend.

 BÜCHER UND MAPPEN ZUM "BUCH DER ZEICHEN"


ZEN-KREISE 24 Blätter experimenteller Tusch-Malerei, 1985, Faksimiledruck in Originalgröße (28x37cm), in Mappe.

ZU-FÄLLE 24 Blätter experimenteller Tusch-Malerei, 1985, Faksimiledruck in Originalgröße, (28x37cm) in Mappe.

DAS TAGEBUCH EINES EINFALLSPINSELS Randglossen zum BUCH DER ZEICHEN, Jahrgang 92/93. 141 S. (Vetter)

MUSIK 4o Tuschblätter und musikalische Konzepte (Verlag Via Nova)

DAS SEI'UN'SHO - EIN SCHÖPFERISCHES ORAKEL 64 Tuschblätter und ein Nachwort - in Verbindung mit dem JiYing (Theseus)

VERTIKAL. ZWÖLF INTRIGEN GEGEN DIE ZEIT 12 Tuschblätter und eine Widmung (aus der Festschrift "sine musica nulla vita" für Hermann A. Moeck)


Radierungen

Im Kontrast zu den nach Art japanischer Kalligrafien aus dem Fluß der Bewegung sich ergebenden Blättern im "Buch der Zeichen" entsteht auf der Basis langsamsten Schreibens - nunmehr eher im Sinne arabischen Kalligrafie - in den Jahren 1979 bis 1984 eine lange Reihe von Radierungen. Mit feinsten Pinseln geschrieben, ermöglichen zwei nacheinander in die Kupferplatte geätze Schriftebenen eine Polyphonie des Linearen. Die Kombination aus Hoch- und Tiefdruckverfahren setzt die musikalisch lineare Vielschichtigkeit in bild-räumliche Tiefe um und gibt gleichzeitig Gelegenheit, eine Dialogik der Farb-Töne auszuloten. Jeder nach dieser Methode entstehende Druck ist im Grunde, was das Spiel der Farben anbelangt, eine Monotypie, ist Variation über ihr jeweiliges lineares Thema und wird deswegen von Michael Vetter als Unikat eigenhändig ausgeführt. Reproduktionen einiger dieser Radierungen enthält das Buch "Seinserfahrung".


    
Der Codex Aureum
Die Blätter des seit 1981 entstehenden "Codex Aureum" verbinden in hohen Geschwindigkeitsgraden entstehende Hintergründe (blau-violett-schwarz-weiß) mit langsam bis langsamst sich auskomponierenden linearen Vordergründen. Gelegentlich betonen die beiden Tempoebenen ihre Distanz, gelegentlich gehen sie so weit aufeinander zu, daß sie sich schließlich überschneiden und ihre Plätze vertauschen: auf minutiös sich ausdifferenzierenden Hintergründen tanzen wie zufällig sich hinwerfende Lichtspiele. Eine Vielzahl metallischer Tinkturen in Kombination mit unterschiedlich reagierenden Ölen und Harzen fächert das Gold der "Zeichen" zu einer eigenen Farbwelt auf.

Der "Codex Aureum" enthält nach Art eines mittelalterlichen Gebetbuches die poetische Ausformulierung des spirituellen Wettstreits zwischen schnellster Geschwindigkeit und langsamster Langsamkeit - Parameter, denen derartig durchleuchtet die essentielle Bedeutung von Passion und Aktion zukommt.


MUSIKALISCHE TAFELBILDER
Symphonien - Quartette - Soli - Miniaturen
Seit 1989 widmet Michael Vetter sich wieder intensiv größeren und großen Formaten. Die Bilder erinnern an die Gemälde der 6oer Jahre, nicht ohne daß die Zeit in Japan ihre Spuren verleugnen könnte: die Bildelemente sind zeichenhafter, und sie stehen direkt wie die Linien einer japanischen Kalligrafie in der Leere des trockenen, ungetönten Malgrundes, in der Regel einer Hartfaserplatte, deren Braun den Gold-Ton in Erinnerung ruft, der in Vetters Malerei seit den 6oer Jahren immer wieder die Rolle meditativer Stille und sakraler Pracht einnimmt.

Wichtig ist diesen Bildern, die verschiedenen zeichengebenden Farben im Sinne instrumental definierter Klang-Stimmen linear miteinander zu verbinden. Dem Betrachter scheint das Spiel solcher Linien aller Dominanz des Sichtbaren zum Trotz einen Augenblick lang musikalisch hörbar einzuleuchten. Daraus entsteht eine neue Gegenständlichkeit des Ungegenständlichen, die jedem Punkt, jeder Linie, jeder Zuordnung eine poetisch mitfühlbare Notwendigkeit schenkt.

Vetter arbeitet in dieser Zeit an Bildern, die so groß sind, daß sie je für sich Wände beanspruchen; wobei er nicht in erster Linie an Museen denkt, sondern an Privaträume, bewohnt von Menschen, die für derartig visuelle Musik-Stücke Gegenständliches zu opfern bereit sind und solche Opferbereitschaft ihrerseits als ein Stück Lebens-Kunst genießen.

Verfolgt man den Gedanken weiter, so sind der Idee des visuell-musikalischen Meditationsraumes gerade im Rahmen öffentlicher Gebäude keine Grenzen gesetzt. Im Gegenteil: Eine zeitgemäß sich weiterentwickelnde Faszination für die Künste wird in immer mehr Räume öffentlichen Miteinanders Plätze, Gebäude, Säle, Hallen und Einrichtungen meditativer Konzentration integrieren. Bereits 1972 realisierte Ulrich Eckardt mit Michael Vetter zusammen seine Meditative Parkmusik "Linienspiel" in Bad Godesberg. 1974 wurde im Rahmen des Steirischen Herbstes vom Kulturzentrum bei den Minoriten Vetters "WEG - Konzepte zur musikalischen Realisation landschaftlichen Verhaltens" uraufgeführt. Die musikalische Partitur ereignete sich hier "im Vorbeiziehen" - Wanderer und zu Erwanderndes integrierten einander gegenseitig. 1975 fand initiiert von Klaus Bußmann im Lichthof des Westf. Landesmuseums in ständig wechselnden Besetzungen ein dreißigtägiges musikalisch-grafisches "Linienspiel" statt. Ab 1982 unterhielt Vetter in Todtmoos-Rütte im Rahmen der dortigen existentialpsychologischen Begegnungsstätte eine musikalische Meditations-Galerie, in der die Geräusche von draußen - per Lautsprecher "entmaterialisiert" - mit Bildstrukturen an den Wänden kommunizierten.



 Der Kreuzweg des Lichtes
(14 Tafeln 11ox11ocm)
Dem blauen Grund nächtlichen Himmels entspringen zu goldenen Zeichensystemen sich konstellierende Punkte, um die Ebenmäßigkeit der sie hervorbringenden Fläche allmählich als in sich selbst aufbrechende Form zur Sprache zu bringen, ehe sich andere Farben aus ihr herausstellen.
In vierzehn gegenstandslosen "Stationen" zeigt sich das Kreuz auf vielfältigste Weise als Kreuzung zeichenhaft einander sich unterordnender Linien. Das Leiden des Lebens erweist sich als die Leidenschaft des Lebendigen, sich zu begegnen, miteinander seiend sich aus- und ineinander zu setzen, kommunizierend einander schöpferisch zu inspirieren, in gegenseitiger Zuordnung einander Bedeutung zu verleihen.

Der strukturellen Deutung des Kreuzes auf der grafischen Bildebene entspricht die Realisierung des Lichtes im Bildaspekt der Farbe: Das Licht kommt zur Welt, um sich als Farbenspiel zu ereignen, indem es sich in deren Erscheinungen reflektiert, sich von ihrer Transparenz filtern läßt und sein Schatten-Spiel treibt in ständig sich wandelnden Über-, Unter- und Umordnungen. Das Lebendige schuldet der Welt auf schöpferische Weise die Aufmerksamkeit für die Gesetze des Lebens.
In der Mitte des Raumes liegen - an ein riesiges Mikadospiel erinnernd - wie zufällig über- und ineinander gestapelt schwarze Balken. Ihre Kreuzungen teilen dem Raum Mittel-Punkte zu, die sich auf Grund des Spieles der Schwer-Kräfte unter den gelegentlich eingreifenden Händen der Betrachter verlagern.

Die Gesetzestafeln
(2x1o Tafeln 2o6x13o)
Hartfaserplatten, deren rauhe, gewebeartig strukturierte Seite ohne Grundierung bemalt ist mit tiefbraunen und gelb-grünen Zeichen. Breite Türen, in nur geringem, regelmäßigen Abstand voneinander auf die Wände der "Halle des Gesetzes" verteilt, in dessen Mitte die Skulptur einer wie zufällig zum Gebirge sich auftürmenden Decke liegt.

Der ersten Gruppe der Tafeln liegen Gefüge großer, in ihrer Komposition streng durchgearbeiteter Zeichen zugrunde, die untereinander derart verbunden sind, daß der Betrachter immer wieder neue Zusammenhänge aus ihnen herausliest. Gleichzeitig sind ihre Linien breit genug, um in ihrem Inneren Spielraum für eine zweite Zeichenebene zu bieten, die einerseits den Gesetzen der großen Zeichen gehorcht, andererseits unmittelbar prozeßhaft, motivisch und rhythmisch mit sich selbst kommuniziert.

Den Beziehungsreichtum ihrer Bahnen ausnutzend, zieht der Betrachter alle Register im Spiel mit der Zeit. Die Vielfalt der Gangarten im Netzwerk der Großzeichen erlaubt ein unerschöpfliches Hin und Her zwischen immer neuen auseinander hervorgehenden und einander sich ermöglichenden Vergangenheiten und Zukünften.

Eine dritte Ebene der Innen-Zeichen läßt sie über die Bahnen der ihnen zugrundeliegenden Außen-Zeichen hinweg kommunizieren, als bildeten sie ein durchgehendes Firmament, in welches jeweils die breiten Schrift-Wege ausschnittweise Einsicht verleihen:

Die zweite Gruppe der Gesetzestafeln versucht sich in allerlei Aufbrüchen bisher befolgter Regeln: Mal werden die Grund-Zeichen so klein, daß das in sie sich Eintragende kaum noch Platz in ihnen findet. Oder die gelb-grünen Zeichen verlassen ihre Bahnen, um nun ihrerseits als gleißend helle Grundstimme einem dunkel braunen Innenleben zu dienen. Wieder an anderer Stelle verschwimmen braune und gelbe Zeichen ineinander zu Wolken, um mehr oder weniger das Wesen ihrer Definiertheit vergessen machend ihre Geburtsstätte zu suggerieren.

Früher oder später erkennt der Betrachter die Ironie des pathetischen Titels. Hier geht es nicht um Ge- oder Verbote, sondern um "die Lust am Gesetz" aufgrund "der Lust des Gesetzes an sich selbst", insofern auch dieses sich als ein schöpferisches "Spiel der Kräfte" erweist.


 Rote Ikonen
(2o Tafeln 5ox5ocm)
Der Ausgangston der Ikonen ist das Rot, des Blutes, des Feuers, der Wärme des Eros des Lebendigen.
Wie das Blau des Kreuzwegs, so beginnt auch das Rot der Ikonen als unstrukturierte Fläche, die sich irgendwann auf ihren immer lebhafteren Vordergrund hin zu brechen, zu strukturieren und schließlich umzufärben beginnt. Dem anderen Farbton entsprechend erzählen sie allerdings charakteristisch andere Geschichten. Immer wieder bringt seine Unstetigkeit es fertig, in die Hölle des Undefinierbaren und der daraus sich aufbäumenden Phantasien zu verführen. Die Bedrohlichkeit der Assoziationen türmt sich auf bis zum Gehtnichtmehr, um sich wieder und wieder in Nichts aufzulösen. Glühender Stolz prachtvoll gewichtiger Formen vergeht ins Geflirr mikroskopisch ineinander sich verwechselnder Partikel. Die roten Ikonen spielen mit dem Machtanspruch der Erkennbarkeit des Gegenständlichen, um es über die Innigkeit der Betrachtung in Vergessenheit geraten zu lassen.

Kontakt Michael Vetter:

(+49) (0) 171 75 30 193

Email: zen@vetter-transverbal.de